Blog von Remscheid im Wandel

Hol Dir zurück was Dir fehlt

Dennis Lamanna, 1. Dezember 2013

Es gibt einige Menschen, die versuchen wieder eine Kultur einzuführen, wie sie früher bei den Urgroßeltern war. Gemeinsame Backtage, Selbstversorgung aus dem Garten, Fertigung von Kleidung etc. Damals gab es den Luxus nicht, den es heute gibt. Das Leben der Menschen war ein härterer Überlebenskampf. vieles von dem, was damals getan wurde, wurde schlicht aus der Notwendigkeit der Situation getan.

Aber dieser Überlebenskampf hatte auch seine Vorteile. In dem Wort Notwendigkeit steckt die Wendigkeit. Darin steckt die Wendigkeit oder Flexibilität Not in Lösungen zu wenden. Es scheint außerdem so zu sein, dass das Leben spannender und intensiver wird, wenn es auf dem Spiel steht. Ein Mensch, der die Erfahrung gemacht hat, Not wenden zu können, wird so leicht nicht von Ängsten geplagt, ob das Geld noch etwas wert sein wird, oder wie lange das Erdöl noch reicht etc.

Mir scheint es deshalb wichtig zu sein, die verloren unbefriedigten Bedürfnisse und Kompetenzen zu erkennen, die hinter der Sehnsucht nach einem weniger komplexen Leben stehen. Erkennt man diese, dann tauchen ganz neue Wege auf, Befriedigung zu finden. Und dann lassen sich leichter Strategien entwickeln, die für eine Gesellschaft insgesamt gangbar sind, denn für viele Menschen macht es keinen Sinn, wie früher zu leben. Es muss nicht ein Entweder/Oder sein, es kann auch ein Sowohl/Als-auch sein. Es gilt das Kind zu finden, das mit dem schweren Leben ausgeschüttet wurde.

Ein gemeinsamer Backtag war ein Event! Mütter brachten ihre Kinder mit, man traf sich, sprach miteinander und tauschte sich aus. Heute kauft man das Brot im Supermarkt und trifft viele Menschen, die man nicht kennt. Oder man kauft im Bioladen oder Reformhaus, wo man meist der einzige Kunde zu jener Zeit ist. Häufig trifft man auf Menschen, die Zutatenlisten auf Verpackungen studieren, weil man sich ja nie sicher sein kann, ob nicht doch ein allergieprovozierender E-Stoff enthalten ist. Früher am Backtag wusste man, was im Brot war, denn man hatte den Teig selbst geknetet. Nicht nur Kinder spielen gerne mit Knete. Arbeit ist auch spielerisches Vergnügen.

Je mehr sich der Konsument hat abnehmen lassen, desto mehr ging ihm auch verloren. Wir können uns dieses Arbeitsvergnügen wieder zurückholen mit Freude wieder gemeinsam tätig werden. Ich glaube, es geht nicht darum, jedes Brot selbst zu backen. Es geht vielmehr darum, dass man immer mal wieder, wenn man Lust darauf hat, Brot backen kann. Und was mit Brot geht, geht auch mit anderen schönen und nützlichen Tätigkeiten. Nicht alles Gemüse muss aus dem eigenen Garten kommen, aber selbst Tomaten zu pflücken und zu genießen, die garantiert nicht gespritzt sind, ist einfach ein Vergnügen.

Wir haben in vielen Bereichen natürlichen Komfort durch technischen Komfort eingetauscht, der uns leider häufig nicht dieselbe Befriedigung unserer natürlichen Bedürfnisse bietet. Wiederentdecken, was im tiefen Brunnen verschüttgegangen ist. Es wieder voll empor zu holen und neu schätzen zu lernen, könnte der Anfang einer neuen Ganzheit sein. Und tun wir dieses weil uns eine Not zwingt? Nein, wir tun es einfach, weil uns genau danach ist. Das ist Teil der inneren Freiheit.

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